PRAXISTEST: OLYMPUS PEN E-P5

PRAXISTEST: OLYMPUS PEN E-P5
Foto: Olympus


Was macht der eingefleischte DSLRler, wenn er dazu gezwungen ist, kurzzeitig auf eine DSLM umzusteigen? Kommt das einer Konvertierung gleich? Besteht die Gefahr, dass er aus der Gilde der ernsthaften Fotografen ausgestoßen wird? Und was bedeuten diese DSL-Kürzel überhaupt? COOL DAD berichtet von einer fotografischen Bewusstseinserweiterung. 

Bisher setzte COOL DAD den fotografischen Schwerpunkt ja eher auf Spiegelreflexkameras: Groß, mächtig und vielleicht sogar Vollformat sollten sie sein. Warum aber nun der Umschwung? Im Rahmen der Vorbereitungen auf das Fußballmatch des Chelsea FC in London (siehe Artikel auf S. 4) musste die Redaktion auf der Website des Vereins folgenden Satz lesen: "Cameras generally are fine EXCEPT for professional ones". Die Botschaft war eindeutig: keine großen, mächtigen DSLRSs auf den Rängen! Anlass, den technischen Horizont zu erweitern und das Zeitalter der DSLMs in COOL DAD einzuläuten. 

Die DSLM-Liga

Worin unterscheiden sich DSLMs von DSLRs, also Spiegelreflexkameras? Als charakteristischstes Merkmal sticht der Verzicht auf einen klappbaren Spiegel ins Auge. Der Bildsensor selbst muss die Informationen für Autofokus und Sucherbild bereitstellen - das erfordert technisch andere Vorgehensweisen, ermöglicht dafür aber kompaktere Abmessungen. Gemeinsam haben beide Systeme eine meist ähnliche Logik in der Steuerung und die Möglichkeit, Wechselobjektive zu verwenden. Von den Ansprüchen her orientiert sich die DSLM daher ganz klar an der DSLR-Liga und weniger an Kompaktkameras. Gerade die in jüngster Zeit neu präsentierten Modelle wirken wie eine Großoffensive der DSLM-Klasse.

Außen Retro - innen Hightech

Wie bei einigen anderen aktuellen DSLM-Modellen hat man sich auch bei der PEN E-P5 für den angesagten Retro-Look entschieden. Pate für das Design stand die PEN 6 aus den Sechzigerjahren, die dem äußerst hochwertigen Metallgehäuse ausgesprochenen Charme verleiht. Im Inneren kommt ein Four-Thirds-Sensor zum Einsatz, der schon in der größeren und vielfach preisgekrönten OM-D ausreichend Anerkennung erfuhr. Der Four-Thirds-Sensor ist von den Dimensionen her sogar etwas kleiner als das APS-C-Format, gewährleistet aber ein in vielen Situationen optimales Verhältnis zwischen Bildqualität und Größe der Ausrüstung. Das macht sich insbesondere auch bei den Abmessungen der Objektive bemerkbar und eröffnet, wie sich noch zeigen wird, gerade im Telebereich ungeahnte Möglichkeiten. 

Punkto Bedienung lässt die E-P5 kaum Wünsche offen. Erfahrene Fotografen können wie bei einer DSLR auf sämtliche Parameter zugreifen und finden sich ohne Gebrauchsanweisung schnell zurecht. Die wichtigsten Funktionen erreicht man entweder über das Touchdisplay oder, wie bei den "Großen", über zwei Rändelräder. Außerdem hält die E-P5 eine intelligente Vollautomatik und verschiedene Szenemodi bereit: Sport, Porträts oder Nachtaufnahmen ... alles kein Problem!

Die Kamera bringt auch sonst alles mit, was der engagierte Fotograf braucht: Ein optischer Bildstabilisator reduziert von Verwacklung hervorgerufene Unschärfen, ein kleiner Blitz lässt sich ausklappen, und via WLAN-Funktion kann man die Kamera über das Smartphone fernbedienen. Die Liste an Features ließe sich noch ziemlich lange fortsetzen, und auch wenn man kaum alle nützen wird: Das Feld der Spielmöglichkeiten, die sich eröffnen, ist beruhigend endlos.


Olympus Pen E-P5
Foto: Olympus

Normalbetrieb

Im Test kam eine Festbrennweite mit 17mm zum Einsatz. Entscheidet man sich als engagierter Fotograf dafür, verzichtet man bewusst auf die Zoomfunktion und muss eben selbst ein paar Schritte nach vor oder zurück gehen. Was man dafür im Gegenzug bekommt: eine qualitativ äußerst hochwertige Optik, die mit einer Lichtstärke von 1,8 und einer ausgezeichneten Offenblendentauglichkeit* neue Möglichkeiten und Herangehensweisen eröffnet und den fotografischen Horizont spielerisch erweitert. Schon im "Normalbetrieb" kann die Bildqualität durchaus als beeindruckend bezeichnet werden - es überrascht, was mit dieser Sensorgröße möglich ist. Die Bilder wirken sehr scharf und überzeugen mit guten Kontrasten. Auch dürfte die Scharfzeichnung eher aggressiv eingestellt sein. Die Farben der PEN kann man durchaus als intensiv bezeichnen, ohne dass sie unnatürlich wirken. Wer diese "knackige" Bildcharakteristik mag, so wie die COOL DAD Redaktion, wird begeistert sein. Wer es lieber dezenter hat, kann diese Einstellungen softwareseitig auch ganz einfach anpassen. Bemerkenswert ist auch die Bildqualität im Lowlight-Bereich. Möchte man bei Innenaufnahmen die Stimmung nicht durch Verwendung eines Blitzes zerstören (womit wir wieder einmal das Thema Kinder- und vor allem Baby-Fotografie streifen), kann man die Empfindlichkeit ohne Bedenken bis 6400 anheben und trotzdem Fotodrucke bis zum Format A3 anfertigen lassen.

*Offenblendentauglichkeit bedeutet, dass bei voll geöffneter Blende möglichst geringe Objektivfehler auftreten, wie das bei billigeren Objektiven oft der Fall ist. Durch das Fotografieren mit offener Blende erzielt man die als Stilmittel gewünschte sehr geringe Tiefenschärfe, wodurch sich Objekte innerhalb des Schärfebereichs von anderen Objekten sehr schön abheben.

Olympus Pen E-P5 mit 75-300mm Teleobjektiv
Foto: taco media
Dank Tele nahe an der Strafraum-Action: F 6.5, ISO 3200, 1/800 s, Brennweite: 258mm, Vollformat-Äquivalent: 517mm

Kühnes Experiment

Sportaufnahmen, noch dazu bei Kunstlicht, bedeuten fotografisch immer eine äußerst große Herausforderung. Die Liste der Widrigkeiten ist lang: Teleobjektive mit geringerer Lichtstärke, dazu auch noch im Telebereich die Gefahr des Verwackelns ... und als Krönung kurze Verschlusszeiten, um schnelle Bewegungen einzufangen. Das bringt jede Kamera an ihre Grenzen. 
Angesichts dieser Voraussetzungen ist der Versuch, mit einer äußerst kompakten DSLM von den Rängen eines Fußballstadions aus zu fotografieren - noch dazu mit einem Teleobjektiv, das angesichts seiner Länge von rund 10cm an kaum einem ernsthaften Fotografenstammtisch Erwähnung finden würde -, doch als eher kühn zu bezeichnen. Vorweg wäre aber noch kurz das Phänomen des Crop-Faktors zu erklären. Er beschreibt im Grunde das Größenverhältnis des jeweiligen Sensors zum Vollformat: Reduziert auf die praktischen Auswirkungen im gegebenen Fall heißt das, dass die Brennweite des Objektivs gegenüber der Anwendung an einer Vollformatkamera mit zwei - also dem Crop-Faktor - zu multiplizieren ist. Das von uns getestete 75-300mm-Objektiv entspricht also einem 150-600 mm-Telezoom an einer Vollformatkamera. Hinsichtlich Abmessungen und Gewicht würde man für eine solche Ausrüstung zu Recht den leicht despektierlichen Ausdruck "Monster" verwenden und mehrere Kilogramm Gewichtszunahme im Reisegepäck einkalkulieren können. Mit dieser Teleleistung von de facto 600mm ist man dafür auch von den Rängen eines Stadions aus ziemlich nahe am Geschehen. An dieser Stelle gilt es die Begeisterung der Redaktion wieder in ein wenig sachlichere Bahnen zu lenken, aber die "volle Action" der Strafraumszenen wird wirklich in beeindruckender Weise festgehalten. Mit einer Empfindlichkeit von ISO 3200, einer Verschlusszeit von 1/800 Sekunde und einer Brennweite von 250mm (also praktisch 500mm) ist sogar in allen Details zu erkennen, wer an wessen Dress gezogen hat. Angesichts dieser Qualität sind auch großformatige Fotodrucke möglich und in ihrer Lebendigkeit äußerst überraschend. 


Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 75‑300mm 1:4.8‑6.7
Foto: Olympus

Final Last Words

Die Olympus PEN E-P5 ist ideal für jeden, der die Möglichkeiten einer DSLR sucht, aber Größe und Gewicht dieser Klasse nicht in Kauf nehmen will. Bei allen fotografischen Ansprüchen, die man gerne an sich selbst und die Technik stellt - und sie vielleicht selten erfüllt -, bringt die Olympus PEN E-P5 eine unkomplizierte Freude am Fotografieren zurück. Handlich, leicht zum Mitnehmen, spielerisch ... aber hinsichtlich Bildqualität einfach ein Erlebnis!